Warum merken wir nichts vom Klimawandel?

Warum merken wir nichts vom Klimawandel?

Die Erde erwärmt sich immer weiter – so sagen es zumindest die Medien und einige Wissenschaftler. Doch wenn es angeblich immer wärmer wird … Wieso stellen wir neue Kälterekorde auf? Wieso erleben wir noch immer heftige Wintereinbrüche? Hat es nicht schon früher Hitzewellen gegeben, ohne dass man dabei “Klimawandel” geschrien hat?

Das sind alles gute und berechtigte Fragen. Doch tatsächlich können wir neue Kälterekorde aufstellen, obwohl die Erde sich erwärmt. 

Der Klimawandel ist ein schleichender Prozess, der sich über Jahrzehnte (und wohl noch die nächsten Jahrhunderte) hinzieht. Was wir Menschen dagegen bewusst wahrnehmen, ist das Wetter. 

Aber das Wetter ist nicht dasselbe wie das Klima. 

Wetter vs. Klima

Wenn man von Klima spricht, meint man oft einen Zeitraum von 30 Jahren. Um das Klima an einem Ort zu bestimmen, sammelt man tägliche Wetterdaten über lange Zeit an. Aus solchen Temperatur- oder Niederschlagswerten errechnet man den Durchschnitt. In Berlin zum Beispiel gilt eine Durchschnittstemperatur von etwa 10°C. 

Das heißt aber nicht, dass in Berlin ständig eine Temperatur von 10 Grad herrscht. Stattdessen schwankt das tägliche Wetter kräftig um diese Zahl herum: Tagsüber haben wir z.B. mal 15 Grad, nachts 5 Grad. Im Sommer können wir dort 30 Grad erleben, in einer kalten Winternacht -10 Grad. 

In einer besonders eisigen Februarnacht im Jahr 1956 wurden in Berlin sogar -21,6 Grad gemessen. Der heißeste Tag dagegen war der 11.07.1959 mit 38,1 Grad. Die Schwankungen beim Wetter sind also extrem groß – in Berlin sind das fast 60 Grad Unterschied! 

Beim Klima spricht man von viel kleineren Zahlen: Von 1970 bis 2017 ist die Temperatur auf der Erde im Schnitt um 1 Grad gestiegen. 

Was ist schon 1 Grad gegenüber einer Spannbreite von 60 Grad? Fast nichts. Deshalb fühlen wir im Alltag auch nichts von dieser Erwärmung. 

Falsches Bild in den Medien

Leider wird der Klimawandel in den Medien oft falsch kommuniziert. Es gibt Medienberichte, die den Klimawandel gerne als Schreckensgespenst benutzen, um bewusst Angst zu schüren. Oft stecken auch unwissende Redakteure hinter solchen Artikeln, die unter Zeitdruck schlecht recherchieren. 

Beispiel: Minister Müller fürchtet „Hitze-Apokalypse“. Aus dem Artikel (Stand 02.10.2020):

“Bundesentwicklungsminister Gerd Müller malt ein düsteres Bild für den Planeten Erde, sollte die Menschheit den Klimawandel nicht entschlossener bekämpfen. „Lassen wir die Entwicklung so weiterlaufen, dann kommt unser Planet an den Rand der Hitze-Apokalypse“, sagte der CSU-Politiker dem Portal t-online. “

Warum wird hier ein Entwicklungsminister zitiert, der selbst nichts mit Klimaforschung zu tun hat? Und warum muss gleich das Ende der Welt heraufbeschworen werden? 

Der Artikel lässt dieses Zitat absolut unkommentiert. Da wird nichts eingeordnet, auf Wahrheit überprüft oder in den Kontext gesetzt. Es heißt nur “er hat das gesagt”. Das ist in etwa so seriös wie “Topmodel sagt: Die Menschen sind zu fett”. Bei solchen Schlagzeilen geht es nur noch um Meinung, nicht um Fakten.

Außerdem verwechselt der Artikel auch noch nebenbei Klima- und Umweltschutz miteinander. Die globale Erwärmung lässt sich aber nicht dadurch aufhalten, dass wir weniger Plastik in die Meere spülen. 

Die sichtbaren Auswirkungen des Klimawandels

Trotzdem ist der Klimawandel eine echte Bedrohung. In den vergangenen Jahren sind etliche Korallenriffe abgestorben, weil das Wasser für die empfindlichen Pflanzen zu warm geworden ist. Dort entschied diese mickrige Erwärmung von 1 Grad schon über Leben und Tod. 

Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass Treibhausgase wie CO2 die Erwärmung weiter vorantreiben. Langsam, aber sicher. Wir Menschen tragen die größte Verantwortung für die Erwärmung der letzten Jahrzehnte. 

In den letzten zehntausend Jahren gab es auch Kalt- und Warmphasen ohne menschlichen Einfluss. Das bestreitet kein Klimaforscher. Aber in diesen Phasen erfolgte die Erwärmung bzw. Abkühlung viel langsamer als jetzt. Die Natur hatte dadurch mehr Zeit, sich an neue Umweltbedingungen anzupassen, anstatt daran zu verenden.

Die genauen Auswirkungen der globalen Erwärmung in der Zukunft sind noch unsicher, und in Deutschland dürften wir relativ glimpflich davonkommen. Das größte Problem für uns ist wahrscheinlich der steigende Meeresspiegel, der in den nächsten Jahrhunderten die Küstenregionen verschlucken soll.

Um den Klimawandel wirklich zu bekämpfen, müssten wir in der westlichen Welt auf Komfort verzichten, den wir uns über die letzten Jahrzehnte aufgebaut haben. Halbherzige Regulierungen werden nicht ausreichen.

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