Wie entsteht Hagel? Ein Blick in die Wolkenfabrik
Ein Sommergewitter zieht auf, der Himmel wird dunkelgrau – und plötzlich prasselt es nicht nur Regen, sondern Eiskörner vom Himmel. Manche sind so klein wie ein Streichholzkopf, andere so groß wie ein Tennisball und können Autos verbeulen und Dächer zerstören. Doch wie genau entstehen Hagelkörner?
Warum nicht jede Wolke Hagel macht
Damit Hagel entstehen kann, reicht keine gewöhnliche Wolke aus. Es braucht eine Gewitterwolke, einen sogenannten Cumulonimbus. Diese Wolken sind wahre Riesen: Sie können in Mitteleuropa 10 bis 12 Kilometer hoch in den Himmel ragen – das ist noch höher als der höchste Berg der Welt, der Mount Everest (8,8 km). In den Tropen erreicht ihre Höhe sogar 18 km!
In einer solchen Wolke herrschen extrem starke Aufwinde, die Luft wird also mit großer Kraft nach oben geschossen. Gleichzeitig ist es weit oben in der Wolke eisig kalt, unter 0 Grad. Genau das fehlt einer harmlosen Schönwetterwolke: Ohne kräftigen Aufwind kann kein Wassertropfen lange genug in der Kälte bleiben, um zu Hagel zu werden.
Woher kommt das Wasser überhaupt?
Die Wassertropfen in einer Gewitterwolke stammen aus feuchter, warmer Luft, die vom Boden aufsteigt – zum Beispiel, wenn die Sonne im Sommer die Erde stark aufheizt. Diese warme Luft trägt jede Menge unsichtbaren Wasserdampf mit sich. Steigt sie hoch genug, kühlt sie ab, und der Wasserdampf verwandelt sich in winzige Wassertröpfchen. Das sind übrigens genau dieselben Tröpfchen, aus denen jede Wolke besteht. In einer Gewitterwolke werden sie durch die starken Aufwinde aber immer weiter nach oben gerissen – bis hoch in Bereiche, in denen es weit unter dem Gefrierpunkt kalt ist.
Vom Tropfen zum Eiskorn: Ein Schichtprozess
Dort oben, in der eisigen Höhe der Wolke, gefriert ein Wassertröpfchen zu einem winzigen Eiskorn. Das ist die Geburtsstunde eines Hagelkorns. Der Aufwind lässt es dabei nicht einfach fallen, sondern schleudert es immer wieder durch die Wolke: mal ein Stück nach unten, wo es auf weitere unterkühlte Tröpfchen trifft, dann wieder nach oben in die Kälte. Bei jedem dieser Umläufe frieren neue Wassertröpfchen an der Oberfläche fest, und das Hagelkorn bekommt eine neue Eisschicht – ganz ähnlich wie bei einer Zwiebel, die aus vielen Schichten besteht. Je öfter dieser Kreislauf passiert und je stärker der Aufwind ist, desto größer und schwerer wird das Korn.
Irgendwann ist das Hagelkorn zu schwer geworden. Der Aufwind kann es nicht mehr tragen, und es fällt aus der Wolke heraus. Bei besonders kräftigen Gewittern kann ein Hagelkorn dabei erstaunliche Ausmaße erreichen.
Der größte Hagel der Welt
Das größte jemals gemeldete Hagelkorn fiel am 14. April 1986 im Verwaltungsdistrikt Gopalganj in Bangladesch. Es wog unglaubliche 1,02 Kilogramm! Die Größe wurde zwar nicht gemessen, aber laut Berichten hatte es die Größe eines Kürbisses.
Auch in den USA und in Europa gibt es beeindruckende Rekorde: In Virginia fiel 2010 ein Hagelkorn mit 20 Zentimetern Durchmesser, in Straßburg wog eines 970 Gramm.
Und richtig teuer wurde es 1984 rund um München: Bis zu 10 Zentimeter große Hagelkörner zerstörten dort mehr als 70.000 Gebäude und 200.000 Fahrzeuge – sogar einige Flugzeuge waren betroffen. Bis heute ist es der teuerste Hagelschaden Deutschlands.
Übrigens: Kleine Eiskörner unter 5 Millimetern Durchmesser nennt man nicht Hagel, sondern Graupel. Sie entstehen nach demselben Prinzip, sind aber viel zu leicht, um wirklich gefährlich zu werden.